Frage 14: Zwei Immobilienmakler, zwei unterschiedliche Angebotspreise


Martin aus Wien sendet mir folgende Frage:

Vielen Dank für die Erstellung dieses interessanten Blogs!

Neulich habe ich eine Wohnung besichtigt und einen Besichtigungsschein unterzeichnet. Mir wurde von der Maklerin ein Kaufpreis von 290.000 EUR genannt. Zufällig bin ich am selben Abend im Internet auf eine andere Immobilienkanzlei gestoßen, die dasselbe Objekt um 250.000 inseriert hat. Habe ich mich mit Unterzeichnung des Besichtigungsscheins verpflichtet (ich habe ihn leider nicht genau durchgelesen) im Falle eines Kaufes den Kauf über die teure Maklerin abzuwickeln? 40.000 Unterschied im Verhandlungsausgangspunkt ist nicht wenig. Muss man bevor man einen Besichtigungsschein unterschreib, sich immer im Vorhinein erkundigen wie viele Makler ein und dasselbe Objekt anbieten und ob zu verschiedenen Preisen?

Vielen Dank für Ihre Expertenmeinung,
Beste Grüße,
Martin

Antwort:
Hallo Martin,

danke für deine Frage. Ehrlich gesagt ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Die WKO definiert den Besichtigungsschein wie folgt:
Der Besichtigungsschein oder die Bestätigung über die Namhaftmachung eines Objektes ist ein Formular, auf dem der Kunde gegenüber dem Immobilienmakler bestätigt, dass er ein ihm bekannt gegebenes Objekt (Liegenschaft, Wohnung, etc.) besichtigt hat und sich für den Fall, dass er das Objekt kauft, mietet oder pachtet, zur Bezahlung der Vermittlungsprovision verpflichtet. Durch die Unterfertigung des Besichtigungsscheines ist der Kunde nicht zum Abschluss des Rechtsgeschäftes verpflichtet. (Quelle: http://reloaded.wko.at/wk/format_detail.wk?angid=1&stid=338802&dstid=188)

Somit ist eigentlich ziemlich klar, dass ein Provisionsanspruch entsteht und zwar bei dem Makler, bei dem du besichtigt hast. Es kommt leider immer wieder vor, dass Objekte zu verschiedenen Preisen von unterschiedlichen Maklern angeboten werden. An deiner Stelle würde ich zuerst einmal den Makler mit dem alternativen Angebot konfrontieren. Es könnte ja durchaus sein, dass er die Reduktion des Preises noch nicht mitbekommen hat. Wenn es zu einem Angebot kommt, musst du jedenfalls unter den 250.000 anbieten. Der Makler darf sich die Preise natürlich nicht ausdenken, sondern nur so anbieten wie es der Eigentümer der Liegenschaft erlaubt. Wenn das Angebot zu 250.000 Online steht, dann hat der zweite Immobilienmakler wahrscheinlich diesen Preis vom Eigentümer bekommen. Es gibt bei fast allen Liegenschaften einen Verhandlungsspielraum.

Kannst du unter 250.000 kaufen, ist es eigentlich egal welcher Makler das Geschäft abwickelt.

Mit dieser Frage können Sie aber sicher auch die Innung kontaktieren. Die sind um die Verbesserung des Image der Makler bemüht:
Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Fachverband
Telefon: +43 (0)1 522 25 92
Fax: +43 (0)1 522 25 92 33
E-Mail: office@wkimmo.at


Frage 6: Qualität von Immobilienmaklern erkennen


Birgit schickte mir am 4.8. folgende spannende Frage:

Ich beschäftige mich schon seit geraumer Zeit mit dem Immobilienangebot in Wien und habe eine Frage bezüglich der Wahl des richtigen Maklers. Angesichts des Überangebots dieser Berufsgruppe – woran erkenne ich eine gute Maklerfirma? Ruft man dort einfach an und listet seine Wünsche und Vorstellungen bzgl. der gesuchten Wohnung auf? Verfügen die Makler über Zugang zu weiteren Objekten, abgesehen von denen, die man auf ihren Homepages findet (die Auswahl ist hier ja oft eher bescheiden)? Macht es daher Sinn, mehrere verschiedene Makler mit seinem Suchwunsch gleichzeitig zu betrauen, um die Chancen auf ein passendes Objekt zu erhöhen? Und zu guter letzt: kostet die Suche und Besichtigung der potentiellen Objekte etwas?

Vielen Dank für die Hinweise im Voraus! 🙂

Antwort:

Es gibt verschiedene Qualitätskriterien bei Immobilienmaklern. Leider sind diese von außen oft sehr schwer erkennbar. Ein Kriterium ist sicher die Aufbereitung der Inserate im Internet auf den diversen Immobilienportalen wie z.B. http://derStandard.at/Immobilien, die eigene Maklerhomepage.
Zusätzlich gibt es noch Auszeichnungen und zwar den Immy – ein Preis den Makler erhalten. Die Kammer prüft ihre Mitglieder auf Qualität und besonders gute Makler erhalten dann diese Auszeichnung. ÖVI (Österreichischer Verband der Immobilientreuhänder) Mitglied ist ebenso ein recht gutes Qualitätskriterium.

Ruft man dort einfach an und listet seine Wünsche und Vorstellungen bzgl. der gesuchten Wohnung auf?
Ja, warum nicht – rufen Sie an und geben Sie den Suchwunsch ab – Sie werden dann auch gleich merken ob die Maklerfirma professionell und freundlich reagiert.

Viele Immobilienmakler bieten über die eigene Homepage Formulare an und Sie können dann individuell Ihren Suchwunsch eingeben. Sobald die Immobilienkanzlei dann ein passendes Objekt hat, werden Sie kontaktiert.

Verfügen die Makler über Zugang zu weiteren Objekten, abgesehen von denen, die man auf ihren Homepages findet (die Auswahl ist hier ja oft eher bescheiden)?
Viele Makler machen sogenannte Ameta Geschäfte mit anderen Kollegen d.h. sie teilen sich die Provisionen auf und verfügen dadurch über ein gutes Netzwerk. Wenn Makler A nichts Passendes für Sie hat, so kennt er vielleicht Kollegen, die genau Ihre Wohnung im Angebot haben.

Macht es daher Sinn, mehrere verschiedene Makler mit seinem Suchwunsch gleichzeitig zu betrauen, um die Chancen auf ein passendes Objekt zu erhöhen?
Ja, warum nicht! Sie können nicht wissen mit wem der jeweilige Makler zusammenarbeitet. Immobilienmakler nehmen sicher gerne Ihren Suchwunsch auf, denn es steigert die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss für den Makler.

Und zu guter Letzt: kostet die Suche und Besichtigung der potentiellen Objekte etwas?
Die Besichtigung kostet nichts. Besichtigungen sind immer kostenlos! Auch wenn Sie einen Besichtigungsschein unterschreiben, entstehen daraus noch keine Kosten. Wenn Sie einen exklusiven Suchauftrag an ein Immobilienbüro vergeben, könnten meines Wissens kosten entstehen. Dazu müssen Sie aber eine eigene Vereinbarung mit dem Büro das die Immobilien vermittelt schließen und auch nicht alle Büros verlangen dafür Geld, zumal bei Erfolg sowieso eine Provision von Ihnen an den Makler fließt.

Wenn Sie Fragen zur Wohnungssuche haben, dann schicken Sie mir diese an beitrag(AT)wohnungssuche-wien.at und ich versuche diese per E-Mail innerhalb von wenigen Tagen zu beantworten. Die Fragen und Antworten veröffentliche ich dann in meinem Blog oder Sie posten einfach einen Kommentar!


Was will der Immobilienmakler mit dem Besichtigungsschein

Nachdem ich im Moment bei meiner Suche einfach nicht die richtigen Objekte finde, widme ich mich heute einmal dem Thema Besichtigungsschein. Bei fast jeder Besichtigung legt der Immobilienmakler einen kopierten Zettel vor, den Besichtigungsschein. Diesen zu unterschreiben ist grundsätzlich kein Beinbruch.
Durch Unterschrift entsteht weder ein Abschluss noch irgendeine Zahlungspflicht. Als Privatperson wir mir eine kostenlose und unverbindliche Besichtigung bestätigt. Zusätzlich ist es für Immobilienmakler wichtig dem Abgeber (Verkäufer bzw. Vermieter) die Anzahl an Besichtigungen zu bestätigen, um so auch seine Leistungen für den Abgeber nachzuweisen. 

Oft haben mehrere Immobilienmakler die gleichen Wohnungen. Mit dem unterschriebenen Schein, hat der Makler die Sicherheit, falls es zu einem Miet- oder Kaufvertrag kommt, dass er provisionsberechtig ist. Es wird verhindert, dass ein Makler die ganze Arbeit tätigt und ein anderer, nur weil er z.B. weniger Provision anbietet zum Zug kommt. Der Besichtigungsschein macht einen direkten Kauf oder eine direkte Miete mit dem Eigentümer, also ohne Provision, unmöglich. Es gibt immer wieder Privatpersonen, die zwar über Immobilienmakler besichtigen, also die Dienstleistung in Anspruch nehmen, aber sich trotzdem Provisionen sparen möchten und direkt an den Abgeber herantreten.

Zusammengefasst sollte eine Besichtigungsbestätigung vor Unterzeichnung ganz genau gelesen werden, und bei Unklarheiten sollte der Immobilienmakler darauf angesprochen werden, denn die Unterzeichnung dient der Sicherheit aller Beteiligten. 

Durch Unterzeichnung ist der Interessent nicht zum Abschluss des Rechtsgeschäftes verpflichtet, sondern nur zur Zahlung der Provision, falls zukünftig ein Vertrag mit diesem Makler zustande kommt.